«Im schlimmsten Fall droht ein Velofahrverbot auf dem Uetliberg»

Die Zahl der Biker, die trotz Verbot mit ihrem Velo mit der Bahn auf den Uetliberg fahren, nimmt zu. Der Grund sind neue Gesetze. Fehlbare können nicht mehr gebüsst werden.

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Eigentlich ist der Fall klar. In den Zügen der S 10 der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU dürfen zwischen Uitikon Waldegg und Uetliberg keine Velos transportiert werden. Das Mitnahmeverbot wurde bereits Mitte 2005 eingeführt mit dem Ziel, das sogenannte Downhillen mit schweren Mountainbikes einzudämmen – vor allem auf den Wanderwegen.

Umso erstaunter war ein Fahrgast, als er am vergangenen Wochenende das Abteil gleich mit sieben «Downhillern» und ihren lehmverschmierten Bikes bis zur Bergstation teilen musste. Ein Bild, das sich den Besuchern des Zürcher Hausberges immer häufiger bietet, denn laut Angaben von SZU-Sprecher Armin Hehli hat die Zahl der Biker, die trotz Verbot im Zug mit ihren Velos auf den Uetliberg fahren, seit der Änderung des Transportgesetzes vor zwei Jahren zugenommen.

Renitente Biker sorgen für Verspätungen im Bahnbetrieb

Zwar sei das Velomitnahmeverbot nach wie vor rechtens und auch vom Bundesamt für Verkehr so bestätigt worden, wie Hehli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet betont. «Da es sich bei dem Verbot aber um eine sogenannte Hausordnung handelt, kann ein Verstoss dagegen mit der neuen Gesetzgebung nicht mehr mit Bussen sanktioniert werden.»

Werden fehlbare Biker angetroffen, können diese daher lediglich aus dem Zug gewiesen werden. «Dabei gibt es natürlich immer wieder Renitente, die trotz Aufforderung nicht aussteigen wollen. Das macht auch die anderen Bahnpassagiere wütend, weil es so zu Verspätungen kommt.» Das Ganze sei für die SZU «ein sehr unerfreuliches und noch ungelöstes Problem», erklärt Hehli. Deshalb seien derzeit betreffend der Umsetzung der Hausordnung mit Sanktionsmöglichkeiten Abklärungen im Gange.

Ohne Velotransportverbot droht Eskalation

Diese Bemühungen werden von Grün Stadt Zürich sehr begrüsst. «Die Aufrechterhaltung des Transportverbotes in der SZU ist ein wichtiges Puzzleteil im Gesamtkonzept ‹Wandern und Velofahren am Uetliberg›», betont Regina Wollenmann, Produktverantwortliche Wald in der Stadt Zürich. «Biken ist ein Boomsport. Würde das Verbot aufgehoben, dann würde die Zahl der Bikenden dank der Verbindung zum Hauptbahnhof explodieren», ist sie überzeugt.

Inzwischen würden auch immer mehr Leute mit ihren E-Bikes auf den Berg fahren. Deshalb komme Grün Stadt Zürich nicht umhin, im Naherholungsgebiet rund um Zürich ein gewisses Angebot für die lokale Bevölkerung auszuarbeiten. «Es ist allerdings nicht unsere Aufgabe, ein Bikeangebot für die Leute aus der gesamten Schweiz bereitzustellen. Bei steigendem Nutzungsdruck besteht die Gefahr einer Eskalation, die im schlimmsten Fall in einem Velofahrverbot auf dem Uetliberg enden könnte.»

Biketrail hat die Situation beruhigt

Gegenwärtig stehen den Bikern und Velofahrern allerdings noch alle Waldstrassen zur Verfügung. Nur auf wenigen, sehr steilen Wegen gilt aus Sicherheitsgründen ein Fahrverbot – entsprechend werden dort auch Polizeikontrollen durchgeführt und bei Fehlverhalten Bussen verteilt (siehe Box).

Seit 2005 existiert auf dem Uetliberg auch der 3,5 Kilometer lange Biketrail Triemli. Zwar habe sich laut Wollemann seit der Eröffnung des Trails die Situation auf dem Uetliberg sehr beruhigt – es gebe seither sehr viel weniger Velofahrer, die auf illegalen Wegen durch das Unterholz fahren. Der Trail werde aber intensiv genutzt und der Unterhalt sei für das Forstrevier sehr aufwendig. «Der Untergrund ist für diese Zwecke nicht gut geeignet. Er ist sehr weich. Sobald es nass wird, ist die Spur rasch ausgefahren und muss wieder aufgefüllt und geflickt werden.» Rund 38'000 Franken gibt Grün Stadt Zürich jährlich für den Unterhalt des Trails aus. Hinzu kommen etliche Stunden Freiwilligenarbeit durch den Verein Züritrails.

«Der Biketrail ist noch lange nicht an seiner Kapazitätsgrenze»

Dessen Präsident Frank Wadenpohl glaubt jedoch nicht, dass der Nutzungsdruck auf den Biketrail grösser würde, wenn man das Velomitnahmeverbot in der SZU aufheben würde. «Auf der Strecke sind Zähler eingerichtet, die die Frequenzen messen. Dabei hat sich gezeigt, dass der Trail sowohl in der Saison 2011 als auch im vergangenen Jahr insgesamt lediglich 35'000 Mal genutzt wurde. Zum Vergleich: Der Trail auf dem Gurten wurde innerhalb eines Jahres rund 100'000 Mal befahren.»

Der Biketrail auf dem Uetliberg sei daher noch lange nicht an seine Kapazitätsgrenze gestossen und auch der Unterhalt sei beherrschbar. «Wir haben den Trail optimiert. Es gibt weniger Erosionen, da der Linienverlauf nun einfacher gestaltet ist», so Wadenpohl. Hinzu komme, dass mit der Eröffnung des neuen Biketrails auf dem Adlisberg im kommenden Sommer der Uetliberg zusätzlich entlastet werde.

Wadenpohl führt schliesslich ins Feld, dass jene Biker, die man im Zug antrifft, Trailbenutzer sind, denen man in den seltensten Fällen später auf dem Wanderweg begegnet. «Dort verkehren Individualisten, die wir als Verein nur schwer erreichen. Sie wollen einfach ihr Ding machen und sich in ihrer Freizeit in der Natur austoben. Einigen fehlt es aber an der nötigen Rücksichtnahme gegenüber anderen. Dafür habe ich absolut kein Verständnis.»

Biken dürfe jedoch keinesfalls nur als sinnloses Runterfahren von einem Berg verstanden werden, sondern als eine anspruchsvolle Sportart. «Dass Biker den Zug nutzen wollen, um ihren Sport auszuüben, ist ein legitimes Bedürfnis. Es ist vergleichbar mit Skifahren. Da wird auch von niemandem verlangt, den Berg erst selbst hochzulaufen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.01.2013, 11:20 Uhr

Umfrage

Soll das Velomitnahmeverbot auf den Uetliberg beibehalten werden?

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723 Stimmen


Fahrverbot auf dem Uetliberg

Auf diesen Wegen ist Fahren und Reiten verboten:
- Risweg
- Uetlibergweg (Laternenweg)
- Hohensteinweg / Friesenburgweg (endet in Hohensteinweg)
- Föhreneggweg
- Peterstobelweg
- Schlittelwege

Auf allen nicht befestigten Wegen (Trampelpfaden) herrscht auch ohne spezielle Markierung von Gesetzes wegen Fahrverbot für Velofahrende.

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