Despoten auf der Gästeliste

Politiker, gekrönte Häupter und Popstars werden am Freitag in Westminster Abbey erwartet. Aber auch Despoten aus Afrika und Asien. Gegen sie regt sich Widerstand.

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Der Kronprinz von Bahrain wünscht dem Brautpaar «alles Gute und viel Glück für die Zukunft». Kommen kann er leider nicht zum grossen Ereignis am Freitag dieser Woche. «Mit tiefem Bedauern» hat Prinz Salman bin Hamad Al Khalifa seine Teilnahme an der Hochzeit von William Wales und Catherine Middleton abgesagt. Am Ostersonntag hatte er noch fest vor zu reisen. Abends, wenige Stunden vor dem Abflug, winkte er resigniert ab.

In London hätte ihn (und die Gastgeber) nur Ärger erwartet. Hunderte von Demonstranten bereiteten Kundgebungen gegen ihn vor. Der harte Kurs des bahrainischen Königshauses gegen Demokratiebestrebungen im Lande hat heftige Reaktionen ausgelöst. Für Dutzende von Toten, Hunderte Verletzter und eine Grosszahl verschollener Bürger, darunter Ärzte und Krankenschwestern, wird das Regime verantwortlich gemacht. Und Prinz Salman, ein langjähriger Freund von Prinz Charles, spielte eine zentrale Rolle bei der blutigen Unterdrückung der Proteste.

Libyer wieder ausgeladen

Jemanden wie den Kronprinzen von Bahrain hätte man nie zur Hochzeit einladen dürfen, meinen Kritiker des Königshauses. «Es ist bedauerlich, dass die Queen königliche Diktatoren aus Bahrain, Swasiland und Saudiarabien eingeladen hat», erklärt der britische Menschenrechts-Aktivist Peter Tatchell. Festnahmen ohne Gerichtsverfahren und alle Arten von Folter gehörten in deren Staaten zur Tagesordnung. Die Einladung des libyschen Botschafters in London habe man wenigstens widerrufen.

Im Königshaus verweist man auf strikte diplomatische Etikette – und auf Abstimmung mit dem Aussenministerium. Bei einem Anlass wie diesem kann einem auswärtigen Repräsentanten nur schwer eine Einladung vorenthalten werden. So werden auch die Botschafter des Iran, Nord-koreas oder Zimbabwes an der Feier mit dabei sein.

Die sich ankündigenden Demonstrationen richten sich freilich vor allem gegen eine kleine Zahl von Despoten, die zur Hochzeit anreisen. Wie gegen den Saudi-Prinzen Mohammed bin Nawaf bin Abdul Aziz, dessen Streitkräfte in Bahrain derzeit «für Ordnung» sorgen. Oder König Mswati III. von Swasiland, den letzten absoluten Monarchen Afrikas. Der liess diesen Monat fast die gesamte Führungsriege der Opposition verhaften.

Kurios finden britische Demokraten, dass Hochzeitsgäste wie Sir Elton John die Stuhlreihen Westminster Abbeys mit Machthabern teilen sollen, von deren Schergen schwule Sänger sehr schnell hinter Gittern gesetzt würden. Entsprechend vehement wollen etliche Gruppen protestieren – was den aufgebotenen 5000 Polizisten zusätzliches Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Gästeliste publik gemacht

Am Samstag gab das Königshaus die Gästeliste offiziell bekannt. Viele der fast 1900 Gäste, so auch David Beckham und seine Frau Victoria, waren schon bekannt. Doch es gab auch Überraschungen, zum Beispiel die Einladung des Schauspielers Rowan Atkinson, bekannt als Mr. Bean, oder der Soul-Sängerin Joss Stone. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 26.04.2011, 11:44 Uhr)

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